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Kirsten Boie: Alhambra Oetinger Taschenbuch 2010 432 S. 8,95 € ISBN 978-3-8415-0020-5
Als Boston auf einer Sprachreise von Deutschland ins spanische Granada im Flugzeug sitzt und mannhaft seine Flugangst bekämpft, ahnt er noch nicht, dass ihm eine weit beängstigendere Reise erst noch bevorsteht. Später stöbert er dann, zusammen mit Klassenkameraden, in den Auslagen des Bazars in der Altstadt von Granada herum. Eine alte Fliese findet sein Interesse, die wäre doch ein passendes Mitbringsel für seine Mutter. Er nimmt sie in die Hand und schon ist alles anders als zuvor! Was er spürt, ist Übelkeit, Chaos und Wirrnis. Dazu Wärme, Helligkeit und Pinienduft. Was er sieht, ein Weg und ein Pinienwäldchen. Keine Spur vom Bazar, in dem er eben noch stand. Er trifft auf Tariq, einen maurischen Jungen. Ihm schließt er sich an und taucht ein in eine ihm wunderliche und gefährliche Welt: Granada im Jahr 1492. Ohne sein Zutun gerät Boston mitten hinein in die Ränke- und Machtspiele zwischen Herrscherhaus und der allmächtigen Inquisition, zwischen den katholische Eroberern Spaniens und den besiegten Mauren, zwischen Christen und Juden. Stets drohen auch ihm Verfolgung und Folter. Aber er weiß sich zu behaupten und hat außer in Tariq, dem maurischen Jungen, in Salomon, dem Juden, und überraschend auch in Johanna, der Tochter ihrer Allerheiligsten katholischen Majestäten, mutige und kluge Freunde gefunden. Natürlich möchte er so schnell wie möglich wieder ins Granada unserer Gegenwart zurück, aber da taucht ein weiteres Riesenproblem auf: Die Königin Isabella verweigert Colón, - wie der Mann im Spanien des Jahres 1492 heißt, den wir als Columbus kennen, - die finanzielle Unterstützung für seine geplante Entdeckungsreise nach Westen. Boston fürchtet, dass Amerika, die Heimat seines leiblichen Vaters, nun nicht entdeckt werden wird. Was bedeutet das für seine eigene Existenz? Was kann er tun? Ein spannendes, an historischem Zeitkolorit reiches, gut recherchiertes Buch, das Leseratten sicher ungern aus der Hand legen werden, bevor sie den letzten Satz - der hier nicht verraten werden soll – gelesen haben. Übrigens: Auch Erwachsene haben, wie wir aus sicherer Quelle wissen, ihren Spaß an „Alhambra“.
(Gudrun Ehrhardt)
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